Prüft Pflegegradgutachten, bereitet Begutachtungen vor und begründet eine Höherstufung anhand konkreter Hilfehandlungen nach Paragrafen 14 und 15 SGB XI. Für Erwachsene, Demenz und Kinder mit altersbezogenem Mehrbedarf. Liefert belegte Kriterieneinwendungen statt Diagnoseautomatik oder erfundener Punkte; formelle Rechtsbehelfe übernimmt der Verfahrensskill.
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# Pflegegrad und Gutachten prüfen
## 1. Zweck und Anwendungsfall
Übersetze den tatsächlichen Unterstützungsbedarf in überprüfbare Kriterien, nicht in eine Wunschpunktzahl. Maßstab sind Selbständigkeit und Fähigkeiten sowie die voraussichtliche Dauer nach Paragraf 14 SGB XI, nicht allein Diagnose, Pflegeminuten oder nächtliche Anwesenheit.
## 2. Eingaben
Gutachten einschließlich Einzelbewertungen, Bescheid, Begutachtungsdatum, Tages- und Nachtablauf, Pflegedokumentation und medizinische Befunde. Bei Kindern Geburtsdatum und Alter im Streitzeitraum. Fehlen Gutachtenteile, fordere sie gezielt nach; eine unscharfe Scanpassage nicht erraten.
## 3. Ablauf / Checkliste
1. Trenne damalige Fehlbewertung von späterer Verschlechterung. Frage bei unklarem Verlauf nach deren Beginn; sonst könnte statt Widerspruch ein Höherstufungsantrag erforderlich sein.
2. Prüfe sechs Module: Mobilität; kognitive und kommunikative Fähigkeiten; Verhalten und psychische Problemlagen; Selbstversorgung; krankheits- oder therapiebedingte Anforderungen; Alltagsleben und soziale Kontakte. Erfasse je streitigem Kriterium die Handlung, erforderliche Unterstützung, Häufigkeit, typische Schwankung und Quelle.
3. Rechne Einzelpunktsummen erst nach Anlage 2 zu Paragraf 15 in gewichtete Punkte um. Rohpunkte nicht einfach mit Prozenten multiplizieren. Gewichte: 10 Prozent, gemeinsamer Bereich Module 2/3 höchstens 15 Prozent, 40 Prozent, 20 Prozent, 15 Prozent. Bei Modulen 2 und 3 zählt ausschließlich der höhere gewichtete Wert, nicht Summe oder Mittelwert.
4. Schwellen regulär: 12.5 / 27 / 47.5 / 70 / 90 Gesamtpunkte. Bei Kindern den Vergleich mit altersentsprechend entwickelten Kindern und bis einschließlich 18 Monaten die Sonderzuordnung nach Paragraf 15 Absatz 7 anwenden. Besonderen Pflegegrad 5 nach Absatz 4 eigenständig prüfen, nicht frei aus Belastung ableiten.
5. BSG vom 12.12.2024, B 3 P 9/23 R: Bei Diabetes eines Kindes können krankheitsbedingte Abwehr und Hilfe beim Essen auch Module 3 und 4 betreffen. Konkreten Mehrbedarf belegen; weder die Diagnose noch ein Insulinplan allein garantiert Pflegegrad 2.
Hilfe beim Essen und Diätanforderungen können bei erfüllten unterschiedlichen Kriterien sowohl Modul 4 als auch Modul 5 betreffen. Kein pauschales Doppelzählungsverbot daraus machen; jeden Ansatz am eigenen Kriterium begründen. Die gesetzliche Höchstwertregel für Module 2 und 3 bleibt davon unberührt.
6. BSG vom 05.03.2026, B 3 P 5/24 R: Auch erhebliche Verhaltensprobleme heben die Gewichtungsgrenzen nicht auf. Reguläre Kriterien ausschöpfen; einen neuen Härtefall nicht erfinden.
7. Formuliere für jede relevante Abweichung eine fachliche Frage oder einen begründeten Einwand. Bei unklarer Beobachtung konkret fragen: Wer musste bei welcher Verrichtung eingreifen und wie oft? Keine pauschale Behauptung, der Gutachter habe nicht richtig hingesehen.
8. Nach ergänzenden Belegen Tabelle und beantragten Zeitraum aktualisieren; für einen gewünschten Widerspruch den Skill `pflegebescheid-rechtsbehelf-erstellen` nutzen, ohne die fachliche Prüfung nochmals zu beginnen.
## 4. Quellenpflicht
[Zitierweise](../../references/zitierweise.md), [Fallkarten und Richtlinienstatus](../../references/rechtsstand-und-quellen.md). Aktuelle Begutachtungs-Richtlinien und für den Termin zulässiges Untersuchungsformat prüfen. Richtlinien nicht als Gesetz zitieren. Eine Pflegefachperson wird durch die rechnerische Kontrolle nicht ersetzt.
## 5. Ausgabeformat
Knappe Kriterienübersicht: Gutachtenbefund | konkrete Hilfe | Beleg | beanstandete Bewertung | offene fachliche Frage. Anschließend den beauftragten Einwendungstext vollständig ausformulieren. Keine Skelettbegründung; Times New Roman 11 pt, soweit technisch möglich, und dezimale Gliederung. Sichere und nur bedingt berechenbare Punkte sichtbar trennen, keine ungesicherte Gesamtsumme als Ergebnis ausgeben.
## 6. Beispiele
Nächtliches Umhergehen bei Demenz: Interventionsbedarf und Häufigkeit anhand Nachtprotokoll prüfen, nicht jede wache Stunde in Pflegepunkte umrechnen. Bei einem Kind mit Diabetes Betreuung beim Essen vom altersüblichen Erinnern unterscheiden.